U9 endet an der U-Bahnstation Ginnheim Mitte © avapictures / Klaus Leitzbach

Wann bekommt Ginnheim die Kurve? Lange Variantenprüfung hat endlich ein Ergebnis gebracht!

redaktioneller Beitrag Klaus Leitzbach veröffentlicht 28. März 2026

 

Eigentlich müsste die U-Bahn zwischen Ginnheim und Bockenheim schon längst fahren, denn mit dem Bau der Strecke sollte ursprünglich im Jahr 2006 begonnen werden.

Doch daraus wurde nichts. Der Lückenschluss lässt zwanzig Jahre später 2026 auch weiter auf sich warten.

Die Strecke von der Bockenheimer Warte nach Ginnheim wäre nach dem damaligen Plan komplett unterirdisch verlaufen mit einem Zwischenhalt in der Franz-Rücker-Allee und einer Verlegung der Station Ginnheim unter die Ginnheimer Landstraße.

Kurz bevor die Bauarbeiten beginnen sollten, wurde die Baumaßnahme jedoch aufgrund veränderter politischer Mehrheiten nach der Kommunalwahl 2005 von der schwarz-grünen Koalition im Römer gestoppt.

Jahre später kam wieder Bewegung in die Sache, denn im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen wurde im Jahr 2011 erneut der Lückenschluss der U-Bahn zwischen Bockenheim und Ginnheim vereinbart, doch bis heute ist nichts beim Ausbau der U-Bahn zwischen Ginnheim und Bockenheim geschehen. Wertvolle Zeit ist durch dieses politische Taktieren verloren gegangen und die Pendler sind die Leidtragenden.

Im Jahr 2015 wurde von der Stadt Frankfurt dann eine Potenzialstudie in Auftrag gegeben.

Zwei neue Trassenvarianten kommen für den Lückenschluss gemäß dieser Potenzialstudie in Frage:

Die eine Strecke führt von der Bockenheimer Warte unter dem Grüneburgpark hindurch zur Station "Campus Westend" und gelangt im Norden hinter der Miquelallee an die Oberfläche. Die weiteren Haltepunkte sind: Deutsche Bundesbank und Platensiedlung bevor die U-Bahn in Ginnheim auf die bisherige Trasse der U-Bahn trifft. 

Bei der zweiten Trasse wird nach der Bockenheimer Warte zunächst die unterirdische Station "Botanischer Garten" angefahren, bevor die U-Bahn in der Mitte der Miquelallee oberirdisch und dann weiter in Mittellage der Rosa-Luxemburg-Straße über die Stationen Europaturm und Platensiedlung nach Ginnheim weitergeführt wird. 

Letztlich stellen beide Varianten eine Kurve für Ginnheim dar, denn ursprünglich sollte die U-Bahn, wie bereits erwähnt auf direktem Weg unterirdisch von der Bockenheim Warte bis Ginnheim gebaut werden. 

Die erste Trasse (Ginnheimer Kurve) könnte nach der Potentialstudie aus dem Jahr 2015 bis zu 193 Millionen Euro kosten, die zweite (Europaturm) bis zu 174 Millionen Euro. 

Inzwischen dürften beide Streckenvarianten um einige Millionen Euro teurer sein, und umso länger sich die Realisierung des Projekts verzögert werden sich die Baukosten weiter erhöhen. 

Beide Varianten hatten nach Mitteilung des Frankfurter Magistrats einen hohen Nutzwert. 

Die von der Intraplan Consult GmbH aus München durchgeführte Potenzialstudie bescheinigte beiden Varianten jeweils Fahrgastzuwächse von täglich mehr als 12.000 Personenfahrten. 

Beide Trassenvarianten würden die Erschließungsqualität für Einwohner, Beschäftigte und Studierende erheblich verbessern. Der Lückenschluss ermöglicht überdies eine Entlastung der bestehenden Strecke der U1, U2, U3 und U8 auf der Eschersheimer Landstraße. 

Mit beiden Varianten erhalten die nördlichen Stadtteile eine weitere, über den Hauptbahnhof geführte U-Bahnanbindung an die Frankfurter Innenstadt und könnte künftig eine direkte Verbindung der Stadtbahn zwischen Nieder-Eschbach und Bornheim bzw. Enkheim ermöglichen. Nun endlich, zwanzig Jahre nach geplanten ursprünglichen Baubeginn hat die Stadtverordnetenversammlung entschieden!

Die Stadtverordnetenversammlung hat entschieden: Variante Campus Westend

Bei der Stadtverordnetenversammlung am 27. Februar 2025 entschieden die Stadtverordneten, dass die Variante 3i über den Campus Westend – für die Verlängerung der U4 von der Bockenheimer Warte nach Ginnheim weiter beplant werden soll. Die Grundlage für diese Entscheidung ist die Machbarkeitsstudie des Projekts.

Bildquelle: SBEV FRANKFURT bearbeitet Redaktion AVA MEDIEN

Wie geht es weiter?

Mit dem Beschluss durch die Stadtverordneten kann das Projekt-Team der SEBV – Stadtbahn Entwicklung und Verkehrsinfrastrukturprojekte Frankfurt nun in die tiefere Planung einsteigen und die Vorplanung aufnehmen. 

Der nächste Meilenstein steht voraussichtlich Ende 2026 an, wenn den Stadtverordneten ein entsprechender Vorplanungsbeschluss vorgelegt werden kann. 

Anschließend folgen die Entwurfs- und Genehmigungsplanung. 

Weitere Informationen finden Sie in diesem Beitrag: Die Vorplanung läuft - was passiert im Projekt "Verlängerung U4"?.

Es ist also immer noch nicht klar, in welchem Jahr Ginnheim seine Kurve bekommt! 

Fazit:

Busse und Straßenbahnen sind zwar eine wichtige und sinnvolle Ergänzung zur U-Bahn und sorgen für die Feinverteilung im ÖPNV, doch haben sie nicht das Potenzial einer U-Bahn. Eine wachsende Stadt, wie Frankfurt braucht in Zukunft einen weiteren sinnvollen Ausbau des Stadtbahnnetzes. 

Der Frankfurter Nahverkehr ist schon heute oft am Limit seiner Leistungsfähigkeit, Bus und Tram können diese Situation nur bedingt entschärfen, einzig und allein ein leistungsfähiges U-Bahnnetz kann hier für Abhilfe sorgen. 

Besonders diejenigen, die Busse und Straßenbahnen jeden Tag im Stop-and-Go-Verkehr nutzen müssen, wissen das. (kl)

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